PRESSESTIMMEN

REZENSIONEN

EUROPAKINDER VON CHRISTIAN LAILACH // SCHNITT

In Istanbul sitzen von Staat und Familie Abgeschobene, in Deutschland geborene und aufgewachsene Türken treffen hier in ausgelagerten Call Centern zusammen und teilen ihre Sehnsucht nach der eigentlichen Heimat. Ob aus dem Schwäbischen, aus Hessen oder woher auch immer. Sie sind Fremde im Land ihrer, ja was eigentlich, Familien, Ahnen, Abstammung? Mehr auch nicht. Während die einen bleiben wollen, geben die anderen den Traum auf eine Rückkehr nicht auf. Martina Priessner zeichnet hier ein divergentes Bild, das nicht zuletzt von den Hoffnungen ihrer Protagonisten getragen wird.

SIE SPRECHEN FRÄNKISCH ODER ALEMANNISCH UND HEISSEN FATOS UND MURAT. FAMILIENCOUCH AM BOSPORUS  // 9.4.2011 // SZ

‘50 qm Deutschland’ nennt ein nach Istanbul verpflanzter, heimwehkranker junger Mann seine mit deutschen Devotionalien vollgestopfte Wohnung am Bosporus in der sehenswerten Dokumentation ‘Wir sitzen im Süden’. Sie sprechen fränkisch oder alemannisch und heißen Fatos und Murat. Und wenn Anrufer im Istanbuler Callcenter fragen, wo sie den Herrn von der ‘Dental Vorsorge’ oder die Frau vom Quelle-Kundendienst gerade erreichen, dann sagen die nur: ‘Wir sitzen im Süden’. Für Deutsch-Türken gibt es einen neuen Arbeitsmarkt in Heimatland ihrer Eltern, und Martina Priessners Porträts der Pendler zwischen den Kulturen lassen so wenig Platz für Klischees, dass man auch nach 90 Minuten noch mehr wissen möchte über diese jungen Heimatvertriebenen.

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG // 26.10.2010 // VON MARTINA KNOBEN

Unbedingt sehenswert ist auch ‘Wir sitzen im Süden’, ein Dokument der Globalisierung. Darin geht es um in Deutschland geborene Türken, die unfreiwillig wieder in der Türkei leben und dort in einem deutschsprachigen Callcenter arbeiten. Grotesk, wie sie in den Hörer schwäbeln und sich daheim ihre ‘40 Quadratmeter Deutschland’ konservieren, wie einer witzelt. Auf der Suche nach Geborgenheit und Identität wird Deutschland zum Sehnsuchtsort – Sarrazin dürfte schwindlig werden bei so viel hoffnungslosem Integrationswillen. Bei der Preisvergabe ging Martina Prießners präziser, konzentrierter Film leider leer aus, dabei stecken all die unterschwelligen Themen dieses 53. Leipziger Dokumentarfilmfestivals darin: die Generationenkonflikte – manche der Deutsch-Türken wurden von ihren Eltern regelrecht verschleppt-, die hoffnungslose Leidenschaft vieler Protagonisten und ihre Melancholie. Außerdem das – zutiefst demokratische – Interesse für die vielen Provinzen dieser Welt. (zum Artikel)

BAYERN 5, KULTURNACHRICHTEN

»Der Berliner Regisseurin Martina Priessner ist ein wundervoller, durchaus ironischer Film über die Paradoxien von Migration und Integration gelungen. Sie zeigt, wie fremd der Fremde in der Fremde ist, wie ihm die ursprüngliche Heimat aber verweigert wird. Ein gut beobachteter, sehenswerter, präzise inszenierter Film.«

KINOZEIT // JOACHIM KURZ

“Fremd im eigenen Land” hieß ein Song der Heidelberger HipHop-Crew Advanced Chemistry aus dem Jahre 1992, der die Schwierigkeiten von Migranten schildert, sich in Deutschland, das sie als ihre Heimat empfinden, zuhause und willkommen zu fühlen. Obwohl der Song bereits fast 20 Jahre auf dem Buckel hat, hat er nichts von seiner Brisanz verloren. Er könnte auch gut als Motto über Martina Priessners einfühlsamem und aufrüttelndem Dokumentarfilm Wir sitzen im Süden stehen – und wäre gleich in zweifacher Hinsicht zutiefst wahr. Denn die vier Menschen, von den er erzählt, sind im doppelten Sinne Fremde.  Mit Wir sitzen im Süden ist Martina Priessner ein exzellenter Film zur Integrationsdebatte gelungen, der mit seinen überraschenden Einsichten zeigt, wie vielschichtig und verzwickt das Thema sich darstellt. Und wie platt, banal und grob vereinfachend Großteile der öffentlichen Debatte sind, die derzeit den gesellschaftlichen Diskurs bestimmen. (Zum Artikel)

BERLINER ZEITUNG // 25.10.2010 // VON JULIA TEICHMANN

Es ist der Film zur Debatte: Junge, in Deutschland geborene und aufgewachsene Türken sitzen in deutschen Call-Centern in Istanbul und sehnen sich nach dem Land, in das sie nicht zurückkehren dürfen. (zum Artikel)

ttt – TITEL THESEN TEMPERAMENTE // 24.10.2010 // VON NORBERT KRON

»Ironisch konterkariert der Film die hitzige Integrationsdebatte. Während die Politiker dauernd über Migranten reden, die sich angeblich nicht integrieren wollen, erlebt der Zuschauer im Film Türken, die längst Deutsche sind, aber nicht in Deutschland leben dürfen. Ein wunderbarer Film. Hier geht es nicht um eifernde Worthülsen. Hier sehen wir Menschen, die unter uns aufgewachsen sind, aber draußen bleiben müssen.«

Zum Beitrag: http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=5755598

tip // 10.11.2010 // VON LARS PENNING

“Wir sitzen im Süden” ist ein eindringlicher Beitrag zum Thema Heimat geworden. Und Heimat, das ist eben schon längst nicht mehr das Herkunftsland der Vorfahren, sondern die Gesellschaft, in der man sozialisiert wurde. Eine Erkenntnis, mit der sich konservative deutsche Politiker bekanntlich noch immer sehr schwer tun, wie die Reaktionen auf die eigentlich gar nicht so spektakuläre “Der Islam gehört zu Deutschland”-Rede des Bundespräsidenten unlängst zeigte. Umso bedeutsamer ist es, dies am Beispiel ganz realer Menschen immer wieder vor Augen geführt zu bekommen. (zum Artikel)

FLUTER // 11.11.2010 // VON CHRISTINA MOLES KAUPP

Die Nischen der wehmütigen Deutsch-Türken finden sich überall in Istanbul. An ihrern Rändern verschärft sich der Kontrast zur türkischen Realität. Filmemacherin Martina Priessner forschte über mehrere Monate, wie sich die verschiedenen Welten berühren und welche Konflikte sich ergeben. Unverstellte, schöne Bilder vermitteln die Lebenswelt der Porträtierten, zeigen, was sie als Heimat definieren: eine spießige Caféstube im Schwarzwald etwa oder ein trostloser Brunnen aus den Siebzigern in einem Kaff bei Frankfurt. Diese Verwurzelung in der deutschen Kultur sprengt wohl die aktuelle Integrationsdebatte und Vorstellungskraft von Sarrazin & Co. (zum Artikel)

taz // 12.11.2010 // VON INES KAPPERT

Die Bundesrepublik als Land der Sehnsucht? Deutschtürken, die im Süden leben, dem sie nichts abgewinnen können, diese Perspektive ist ungewöhnlich. Sie macht den leisen, fast elegischen Dokumentarfilm von Martina Priessner sehenswert. Zudem kommt “Wir sitzen im Süden” ohne “Ehrenmord” und ohne Geschwisterdrama aus, es gibt keine religiöse Bigotterie und kein Kopftuch. Stattdessen zeigt die Berliner Filmemacherin eine Realität, die durch alle Raster des hierzulande engmaschigen Bilds von “der” Türkei fällt. (zum Artikel)

ZITTY // 4.11.2010 // VON ALINA STEINBERG

Martina Priessner hat spannende Menschen aufgetan und wirft einen eindrucksvoll intimen Blick auf Existenzen zwischen Abschluss und Neubeginn.

AVIVA-BERLIN ONLINE MAGAZIN // 11.11.2010 // VON EVELYN GAIDA

Am Ende des Films nickt Bülent im Callcenter-Shuttlebus nach einem weiteren harten Arbeitstag erschöpft ein. Um ihn herum verschmelzen die türkische und deutsche Sprache zu einem diffusen Summen. Ebenso führt Priessners Film auf nachdrückliche und sehr berührende Weise die vielgestaltige und komplexe Mehrstimmigkeit kultureller Identität vor Augen, die sich weder automatisch nach biologischen Gesichtspunkten, noch bürokratischen Mauern richtet, ihnen aber undifferenziert unterworfen wird. (zum Artikel)

WDR 5 – SCALA Kulturmagazin // 11.11.2010 // Interview mit Martina Priessner

RADIOEINS FILMMAGAZIN MIT KNUT ELSTERMANN // 13.11.2010
Interview mit Martina Priessner (zur Sendung)

Stilbruch // RBB // 11.11.2010

HAUPTSACHE KULTUR // HR3 // 12.11.2010

WEST.ART // WDR // 12.11.2010

WDR.DE // Interview mit Martina Priessner // 12.11.2010

ARTE KULTUR JOURNAL // 11.11.2010 // VON MORITZ WULF

DEUTSCHE WELLE // KULTUR 21 // 15.11.2010 (bei 13:55)

STUTTGARTER ZEITUNG // 30.11.2010 // VON THOMAS KLINGENMAIER

In Wahrheit, zeigt Martina Priessners Dokumentarfilm “Wir sitzen im Süden”, der zu den sehenswerten Beiträgen der morgen beginnenden und am Sonntag endenden 16. Filmschau Baden-Württemberg gehört, sind die Telefondienstleister genervt von den genormten Kurzkonversationen. (…)  Priessner liefert mit Bildern von Einfindungsproblemen und McJobs den nötigen Widerspruch zu begeisterten Porträts von Istanbul als hippe Kulturmixmetropole. (Zum Artikel)

taz // 10.1.2011 // VON KÜBRA GÜMÜSAY
“WIE BITTER IST DIESES LACHEN”

MEPHISTO // 22.3.2011 // RADIO DER UNIVERSITÄT LEIPZIG
Studiogespräch mit Anne-Marie Kriegel “Vom Preis der Unabhängigkeit”

WESER REPORT // 15.6.2011 // HAUKE HIRSINGER